Das gibt es nur im Kapitalismus: Die Insolvenz

Doch warum findet sie keine Anwendung, wenn sie so dringend erforderlich wäre?

Langsam, Langsam, wir sind in Griechenland!

Wie sympathisch klingt dieser Satz doch jedem Griechenland-Urlauber im Ohr, wenn ein Einheimischer einem lächelnd die Hektik des eigenen Handelns und Denkens in die gemächliche Schönheit Griechenlands überführt. "Ziga, Ziga" oder "Avrio" sind die Vokabeln, die dem gestressten Urlauber als erstes quasi "inflationär" begegnen. "Langsam, Langsam" und "morgen".
Die Uhren gehen in Griechenland schon immer anders.
Auch die Strukturen griechischen Geschäftemachens haben eine ganz andere Tradition und unterliegen ganz anderen - vor allem ungeschriebenen - Gesetzen, als in den nördlicheren europäischen Ländern. Ein Netzwerk aus Beamten, kirchlichen Würdenträgern und Unternehmern, geschmiert durch einen eigenen Geldkreislauf bestimmt die regionale Politik und bestimmt auch den Grad an Abhängigkeit zu Athen.
Der Außenhandel Griechenlands spielt sich auf tausenden sonnenverwöhnter und idyllischer Inseln ab, die von Athen durch große Entfernungen und ein tiefblaues Mittelmeer auf eine Weise getrennt ist, wie wir "Festland-Europäer" uns das gar nicht vorstellen können.
Was jedem, der ein paar Mal in Griechenland in Urlaub war, auffällt und worüber man sich auch keine negativen Gedanken gemacht hat, wird in einem durch den Euro vernetzten Europa jetzt zu einem massiven Problem.

 

Die griechischen Finanzprobleme von heute waren absehbar.

Weder der Grad der Korruption in Griechenland, noch der eklatante Leistungsunterschied der griechischen Volkswirtschaft im Vergleich zu den anderen Ländern können als eine neuere Entwicklung hingestellt werden.
Wir haben kein Recht dazu, den Griechen unser System, geschweige denn unsere Mentalität und unser Leistungsdenken aufzuzwingen.
Der erste politische Fehler war also die blauäugige Übernahme von Griechenland in die europäische Währungsunion. Heute danach zu rufen, dass die Griechen sich gefälligst an die Gepflogenheiten der westlichen Länder anpassen sollen, ist dumme Politik. Die Griechen jetzt dazu zu zwingen, dass Sie drastische Sparmaßnahmen im eigenen Land durchführen ist zwar logische Folge dummer Politik, deshalb aber nicht klüger.
Konnte sich Griechenland zu Zeiten der Drachme durch Abwertung der Währung im internationalen Handel (der ja hinsichtlich des Exportes im Grunde nur aus Tourismus besteht) behaupten, so gibt es dieses Regulativ innerhalb des Euro nicht mehr. Dem Handelsbilanzdefizit Griechenlands lässt sich zwangsläufig nur durch immer größer werdende Verschuldung begegnen. Das wiederum findet sein natürliches Ende in der Zahlungsunfähigkeit, welche durch steigende Zinsen noch schneller herbeigeführt wird.


Was also kann man tun?

 Ganz sicher wertlos sind lebensverlängernde Maßnahmen, die nicht die Ursache der Probleme berücksichtigen. Das ist aber das Konzept der verantwortlichen Politiker. Muss man studiert haben, um zu wissen, dass Sparmaßnahmen nur zu einem sich selbst verstärkenden Teufelskreis in Griechenland führen und die Katastrophe am Ende nur noch größer wird?
Gewiss nicht.
Doch für andere Schritte braucht man die Kraft der Erkenntnis und den Mut, neue Wege zu gehen.
Wir sollten uns möglichst schnell daran gewöhnen, eines der wichtigsten Prinzipien des Kapitalismus auch auf der Ebene von großen Banken und ganzen Ländern Anwendung findet: Die Möglichkeit zahlungsunfähig zu werden und insolvent zu werden. Was im Kleinen zählt muss auch im Großen möglich sein. Das mag schmerzen, aber solange wir nicht über Systeme nachdenken, die dermaßen schmerzhafte Schritte weitgehend unmöglich machen, solange müssen wir die zwangsläufigen Folgen unseres untauglichen Systems ertragen.

 Auf dem Weg zu etwas Neuem muss man sowieso das Alte erst einmal beenden. Eine Insolvenz ist auch bei Großbanken und ganzen Staaten keine Katastrophe solange sie nur rechtzeitig angemeldet wird. Die Politik betreibt sowohl im Falle der Großbanken, als auch hinsichtlich der Länder wie Griechenland Insolvenzverschleppung. Mit fortdauernder Zeit wird die Katastrophe, die am Ende zu erwarten ist, immer größer. Noch gäbe es Wege, wie man handelnd die Dinge auf eine zukunftsfähige Bahn bringen könnte.

Ich heiße weder Korruption noch Faulheit oder Trägheit für gut, aber ich halte überhaupt nichts von einer Politik, die sich darauf konzentriert die Menschen zu Handlungen zwingt, die weder mit ihrer Tradition noch mit ihrem Selbstverständnis vereinbar sind. Die Folge kann nur Gegenwehr sein. Was wir brauchen ist eine Politik mit Rahmenbedingungen, innerhalb derer das der Gemeinschaft Förderliche belohnt und das Schädliche zu Nachteilen führt. Damit bringt man Menschen zu verändertem Handeln. Der Schlüssel dazu ist das Geldsystem.
 

Für mich sind die Erfolg versprechenden Schritte:

  1. Griechenland in eine geordnete Insolvenz führen, bei der es sein Gesicht wahren kann und seine Chancen für einen Neuanfang in der Staatengemeinschaft aufgezeigt werden. Die Insolvenz sollte mit einer transparenten Informationspolitik begleitet werden und deutlich machen, dass die Politik das Primat über den Finanzmarkt beansprucht. Die konsequente Nutzung des bewährten Insolvenzrechts ist die letzte Chance, aktiv auf das Geschehen einzuwirken. Alles andere ist "Insolvenzverschleppung" und endet im Chaos.  
  2. Eine "regionale"  Währung für Griechenland konzipieren, die den Besonderheiten der griechischen Bevölkerung Rechnung trägt.  
  3. Konzepte für eine "Ausgleichswährung" entwickeln, die im internationalen Wirtschaftsverkehr für den Ausgleich zwischen den verschieden leistungsfähigen Volkswirtschaften sorgt. Vorbild könnten dabei der "Bancor" von John Maynard Keynes und die IVA (Internationale Valuta Assoziation) von Silvio Gesell sein.
  4. Eine Geldordnung konzipieren, die Mensch und Natur in den Mittelpunkt stellt, die Selbstvermehrung von Geldvermögen und damit die zerstörerische Spekulation unterbindet.
  5. Den Europäischen Gedanken auf Basis einer vom Kapitalismus befreiten Marktwirtschaft neu gestalten und ihm eine neue Chance geben.
  6. Ein Gesellschaftsmodell, wie beispielsweise die "Soziale Plastik" von Joseph Beuys, mit Leben füllen und dauerhaft weiterentwickeln

 

 


Noch können wir eingreifen und neu gestalten. Doch allzu lange bleibt dieses Zeitfenster nicht geöffnet. In Fragen der Ordnungspolitik braucht es jetzt die Mentalität der Deutschen, mit ihrer Tatkraft und der Uhr im Auge.

Andreas Bangemann, 20.6.2011

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Die Zeichen stehen auf Abschied

Was passiert eigentlich, wenn sich die wirtschaftlich strauchelnden EU-Länder des Südens aus der Demokratie verabschieden?

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Immerhin können Länder wie Griechenland, Spanien und Portugal auf eine lange Tradition von Militärputschs und entsprechenden Diktatoren zurückblicken.

Bereits im Juni 2010 malte der Präsident der EU-Kommission, Jose Manuel Baroso, dieses Szenario an die Wand, doch schien kaum jemand auf ihn zu hören.  Bis heute wurden stattdessen der Bevölkerung die Daumenschrauben in Form massiver Einschnitte in das gesamte Sozialsystem der Länder angezogen. In allen europäischen Südländern heizt die Stimmung unter den Menschen zunehmend auf. Chaotische Zustände auf den Straßen nehmen in erschreckender Weise zu, wobei die Medien das wahre Ausmaß der  Entwicklung dieses Volkszorns jeweils so lange wie möglich auszublenden scheinen, wie jüngst das Beispiel Spanien beweist.

Die Politiker gefallen sich mit Aussagen, die auf die Wichtigkeit der Rolle der Währung für die politische Union in Europa verweisen. Doch das wird zunehmend als letzter verzweifelter Versuch wahrgenommen, die schweren handwerklichen Fehler bei Einführung des Euro zu kaschieren. Dabei wäre das schonungslose Eingestehen dieser Fehler eine Chance, die politischen Union vor weitaus schlimmeren Folgen zu bewahren. In erschreckend vielen Ländern Europas nimmt das Gewicht jener politischen Kräfte zu, die soweit rechts außen stehen, dass sich das von Baroso beschriebene Szenario schon bald bewahrheiten könnte. Während die Politik den Dominoeffekt wirtschaftlich sinnvoller Entscheidungen zur geregelten Insolvenz von Staaten und Banken scheut, scheint sich kein Problem mit Flächenbränden zu haben, die geeignet sind ganze Demokratien hinwegzufegen. Man mag sich nicht ausmalen, was es bedeutet, wenn erst einmal in einem jetzt wirtschaftlich bedrohten Land ein Diktator nach oben gespült wird.

 

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Die eigentlichen Ursachen hinter all den wirtschaftlichen Entwicklungen werden beharrlich ausgeblendet.

Vieles, was wichtig wäre, wurde bereits gesagt und beschrieben.  Die Taten unserer Volksvertreter wurzeln jedoch im Boden einer in diesen Fragen gleichgültig verbleibenden Bürgerschaft. Nur, was uns direkt existenziell zu bedrohen vermag, bringt uns auf die Straße.

 

Worin besteht also unsere Chance?

Zunächst müssen wir im System bleiben und die Insolvenz als ein aktiv eingesetztes Mittel (PDF) klug anwenden. Die EU kann als Insolvenzverwalter eingesetzt werden und – wie das auch Wirtschaftsleben tagtäglich geschieht – alles daran setzen, Griechenland zu retten. Die Gläubiger werden – wie bei jeder Insolvenz – auf große Teile ihrer Ansprüche verzichten müssen. Um den schützenswerten „kleinen Sparer“ nicht in einen Topf mit den Superreichen dieser Welt zu werfen, kann im Rahmen des Insolvenzverfahrens eine soziale Komponente zum Tragen kommen, die vorsieht, dass Geldvermögen in Einzelfällen bis zu einer gewissen Höhe ganz gesichert werden. Im Falle Griechenlands wird es solche Fälle nur indirekt geben, weil kleine Anleger bei Banken angelegt haben, die wiederum als Halter der Staatsanleihen fungieren. Der durch die Insolvenz Griechenlands und eventuell anderer Länder zu erwartende Dominoeffekt in Bezug auf Banken sollte bedacht werden, darf uns aber am Beschreiten des Weges, den diese letzte Chance bietet nicht hindern. Er kommt früher oder später sowieso. Jene Banken, die von der Griechenland-Insolvenz betroffen wären, wackeln alle schon seit langem. Die Insolvenz der Banken bietet die gleichen Chancen zu politischem aktivem Handeln, wie die der Länder. In diesem Szenario kann die Politik die Vorgaben machen und die Finanzmarktakteure können nur reagieren. In jedem anderen Szenario wäre es umgekehrt und am Ende stünde der totale Zusammenbruch.

 

Die Zeit ist überreif für mutige Entscheidungen. Doch Mut können wir von unserern Volksvertretern nicht erwarten, wenn wir ihn nicht nachdrücklich einfordern!

Text: Andreas Bangemann

Grafiken: Martin Bangemann

 


 

 

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Vergesst Griechenland - Das wahre Problem in Europa ist Deutschland

Normally, what should happen to such a country is that, as a result of its trade surplus, wages rise, along with the value of its currency, to reflect its new wealth and productivity. That has the effect of making those exports less competitive while encouraging workers to spend their increased income on cheaper imports. And in that way, the system brings imports and exports more into balance.

Steven Pearlstein von der Washington Post beweist, dass Bewegung in den Journalismus kommt, zumindest international gesehen.

In dem lesenswerten Beitrag, aus dem obiger kurze Ausschnitt stammt, schließt Pearlstein einen logischen Kreis. Ausgehend von dem jahrzehntelangen Exportüberschuss Deutschlands, der uns zum "Exportweltmeister" gemacht hat, wird sehr anschaulich, warum das Rühmen mit dieser Dauerleistung eher der Beweis von Unvermögen ist. Die Exportüberschüsse führen in Deutschland nicht zu einem höheren Lebensstandard, sondern wandern als Ersparnisse zu den Banken. Von dort machen sie ihren Weg zu den Handelspartnern von Deutschland, die ihrerseits die Handelsdefizite mit den auf diesem Wege ausgereichten Krediten finanzieren. Die Zahlungsunfähigkeit der Handelspartner (wie Griechenland) und der eigenen Banken droht dabei am Ende alles zunichte zu machen.
Der dauerhafte Handelsbilanzüberschuss hätte gedämpft und unter internationalen Gesichtspunkten positiv ausgleichend nivelliert werden können, wenn die Überschüsse in höhere Löhne und einen verbesserten Lebensstandard in Deutschland geflossen wären. Statt dessen ist die Exportweltmeisterschaft eine, von der nur ein ganz erlesener und kleiner Kreis von Profiteuren etwas gehabt hat.
Das eigentliche Problem, die schnell wachsenden Vermögen auf der einen und die spiegelbildlich wachsende Verschuldung auf der anderen Seite, wurden durch deutsche Wirtschaftspolitik noch beschleunigt.
Neben der Erkenntnis dieser Zusammenhänge, braucht es noch die der tatsächlichen Verteilung des so entstehenden Reichtums. Spätestens dann sollte klar sein, dass ein nachhaltiges System eine vom Kapitalismus befreite Marktwirtschaft sein muss.

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Spekulanten sind auch nur Menschen

Die Zeter-und-Mordio-Rufe gegen die Spekulanten oder den Finanzmarkt als Ganzes sind laut, aber sinnlos.

Die Geschwätzigkeit medialer Omnipräsenz in Bezug auf die Geschehnisse ist in Wahrheit Sprachlosigkeit. Mit zahllosen Worten und Vorwürfen an Menschen und Einrichtungen, die eigentlich nur ihren Job machen, übertünchen Politik und Medien ihre Ohnmacht. Wir - als die Konsumenten dieser geschwätzigen Sprachlosigkeit - stimmen ein in diese laute Stille.
Zu deren Überwindung müssten wir, vor allem aber die Medien, in die Details des Erkennbaren eintauchen und durch die Analyse der Wirkungsweisen zu neuen Erkenntnissen kommen. Nur auf diesem Wege würden sie - die Medien - und auch wir unsere Sprache wieder finden.
 
Wer würde sich mit 10,- Euro in der Tasche an einen Pokertisch setzen, wenn er es mit einem Gegner zu tun hat, der mehrere Tausend als Einsatz mitbringt? Das ist in etwa das Verhältnis, in das man das jetzt verabschiedete Rettungspaket von 750 Milliarden Euro zur "Spielmasse" des Kapitalmarktes setzen muss. An einem einzigen Handelstag werden mehr als 4 Billionen US-Dollar am internationalen Kapitalmarkt umgesetzt. (1.408 Billionen im Jahr 2005 laut OECD-Statistik zitiert von der Bundeszentrale für politische Bildung (PDF-Datei))
 
Die Spekulanten als Menschen haben sich in den letzten 30 Jahren nicht verändert. Sie haben durch die Technik bessere Werkzeuge für ihre Aktivitäten bekommen, das steht außer Zweifel. Doch ihre Motivation ist immer schon die gleiche: sie möchten möglichst schnell viel Geld verdienen. Während sie es aber vor 30 Jahren noch mit einer harten Konkurrenz um das Anlagekapital zu tun hatten, stellt sich diese Situation heute ganz anders dar. Vor 30 Jahren floss das Ersparte nahezu ganz über Kredite wieder direkt in die reale Wirtschaft. Das war ein durchaus "gesunder" Vorgang, wenngleich der wesentliche Systemfehler schon von Beginn an da war.  Der Finanzmarkt und seine spekulativen Geschäfte glichen Risiken aus, die bei internationalen Geschäften eintraten und organisierten den Handel mit Aktien. Zwar hat sich daran bis heute nichts wesentliches geändert, aber eines ganz entscheidend: die zur Verfügung stehende "Spielmasse". Laut der oben genannten OECD-Statistik haben sich die von institutionellen Investoren verwalteten Vermögen seit 1980 von 3 Billionen US-Dollar auf 55 Billionen US-Dollar 2005 nahezu verzwanzigfacht (Es handelt sich dabei um die europäischen Billionen und nicht etwa um die "US-Billions", welche nur Milliarden wären).
Diese Entwicklung steht in keinem Verhältnis zu den gleichzeitig ablaufenden in anderen Bereichen der Wirtschaft.
Wäre das nicht der richtige Einstieg in ein zu untersuchendes Detail?
Der schleichende Verlust des Primats der Politik über den Finanzmarkt geht mit der Zunahme des Kapitals einher, das in ihn hineingeflossen ist. Je mehr Kapital im Finanzmarkt, desto weniger politischer Einfluss. Eine im Grunde einfache Formel. Oder eben nicht, wenn man sie nicht im Blick hat.
 
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Medien und Politik fokussieren auf Vorgänge, die eigentlich nur schleichend gewachsene Symptome sind. Dabei müssen zwangsläufig Lösungsideen herauskommen, wie die derzeit diskutierten:
Anprangern von Gier und Korruption.
Forderung nach Ethik in der Wirtschaft.
Wegsteuern von Gewinnen
Einführung einer Finanztransaktionssteuer
Verbot bestimmter "Finanzmarktprodukte" usw.
 
Jeder Punkt davon ist wichtig und muss in Zukunftsplanungen seinen Platz finden. Doch nichts davon  -  auch nicht alles zusammen - hilft uns hinsichtlich der Ursache der derzeitigen Bedrohungslage.  
 
Dazu müssten drei Fragen beantwortet und die Erkenntnisse daraus umgesetzt werden:
 
  1. Wie kam es zu den immensen Kapitalansammlungen, die explosionsartig den Finanzmarkt innerhalb weniger Jahre so mächtig gemacht haben?
  2. Wie führt man die Rolle dieses Finanzmarktes wieder auf ein Maß zurück, das in einem gesunden Verhältnis zur Realwirtschaft steht und die Forderung nach dem Primat der Politik erfüllt?
  3. Wie erhält man das Gleichgewicht von realwirtschaftlichen Anforderungen und nach Macht strebenden Finanzmarktakteuren nachhaltig in einem das Gesamtsystem förderlichen Gleichgewicht?

Zur Beantwortung dieser Fragen, braucht es Kategorien des Denkens, welche auch das bestehende System verlassen. Es braucht aber auch den politischen Willen, fundamentale wirtschaftliche Ordnungsprinzipien ganz neu zu gestalten.

 

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Heute Griechenland, morgen wir « Hinter den Schlagzeilen

Nun hat es also auch eine „klassische“ europäische Nation getroffen. Und weder die Schweiz noch die reichen EU-Staaten sollten sich der Illusion hingeben, sie würden für immer von einer Entwicklung wie in Griechenland verschont bleiben. Griechenland ist ein Bild dessen, was ihnen in der Zukunft widerfahren könnte. Staatsbankrotte sind die natürliche Folge einer Entwicklung, die über Jahrzehnte zu beobachten war und die in der Natur des Zinssystems angelegt ist. „Wir haben versucht, auf der Schussfahrt zu wenden“ sang Herbert Grönemeyer über den Krebstod seiner Frau. Der Zins ist der Krebs des Finanzsystems. Alle Anstrengungen, die Staatsverschuldung abzubauen oder auch nur zu stoppen scheitern nicht nur an der Eigendynamik der Exponentialkurve, sondern auch an der Böswilligkeit der mächtigen Profiteure und an der Schwäche der Volksvertreter, die sich ihnen ausgeliefert haben.

Verschuldung verleiht dem Geld – und damit denen, die es besitzen – eine überproportionale Bedeutung, die für das Gleichgewicht der Kräfte innerhalb einer Gesellschaft tödlich ist. Wer in einer Situation, wo Geld an allen Ecken und Enden fehlt, über ausreichende Liquidität verfügt, bestimmt die Gesetze des Handelns. Er kann dem Bittsteller – also uns allen – seine Bedingungen aufzwingen. Wie man am Beispiel vieler Länder der Dritten Welt und jetzt am Beispiel Griechenlands gesehen hat, läuft es immer auf das gleiche hinaus: „Wir retten euch, aber nur unter ganz bestimmten Bedingungen: Privatisierung, Deregulierung, Sozialabbau.“ Und niemand sollte meinen, die Mächtigen würden plötzlich von Mitleid ergriffen werden und davor zurückscheuen, uns, die „europäischen Kulturnationen“ platt zu machen. Raubtiere kennen eine Beißhemmung, der so genannte Raubtierkapitalismus nicht.

Roland Rottenfußer, verantwortlicher Redakteur des Webmagazins "Hinter den Schlagzeilen" von Konstantin Wecker, beschriebt eindrucksvoll die Situation. Der ganze Beitrag ist sehr lesenswert

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Der europäische Gedanke in höchster Gefahr

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Bild Von Martin Bangemann, North Carolina  © 2010, Martin Bangemann

Domino-Party  

Nach dem Vorbild der Boston-Tea-Party wird es wohl den bürgerlichen Widerstand gegen politische Hilflosigkeit und Konzeptlosigkeit brauchen. Das Bild des Staates und der Volksvertreter als Gejagte eines entfesselten Kapitalmarktes ist für immer mehr Menschen unerträglich.
Ganz offensichtlich schlittern die Staaten und mit ihnen ihre Bürger immer tiefer in einen Schlamassel, aus dem ein Ausweg nicht erkennbar ist.
Sicher scheint nur, dass die Politik zu Handlungen gezwungen wird, die durch den Kapitalmarkt diktiert werden. Möglich wird das, weil über allem der Zusammenbruch des gesamten Wirtschaftssystems schwebt. Zu dessen Rettung erklärt man sich zu allem bereit, koste es was wolle.
Die Frage, nach dem "Warum?" ist sinnlos geworden. Die Politik reagiert nur noch.

Bedeuten die Rettungsversuche nichts anderes als ein Hinauszögern des Zusammenbruchs? Wird dieser Zusammenbruch nicht durch jede lebensverlängernde Maßnahme nur noch schmerzhafter?
Das kurzfristige Denken in der Wirtschaft – gerade noch bis zum nächsten Quartalsergebnis – ist auch in der Politik Usus geworden. Kein Innehalten, kein tiefer gehendes Nachdenken, keine Spur von Nachhaltigkeit.

Erdrückende Schulden

Mit dem stets als heilvoll angesehenen Wachstum der Geldvermögen sind die Schulden mit gewachsen. Doch während alles natürliche Wachstum mehr den physikalischen Gesetzen gehorcht, unterliegt das der Schulden mehr den Gesetzen der Mathematik. Geldvermögen und Schulden verrotten im Laufe des Lebens nicht. Im Gegenteil sie wachsen um etliche Prozent pro Jahr nach den mathematischen Gesetzen der Zins- und Zinseszinsrechnung. Das kann viel Jahre und Jahrzehnte gut gehen, aber eben nicht ewig. Der reale Reichtum, das, was wir zu leisten imstande sind und das, was wir der Natur entnehmen können, unterliegen der zerstörerischen Kraft der Entropie. Das Wachstum dieses materiellen Reichtums müsste jedoch mit dem Wachstum der Geldvermögen und Schulden mithalten, wenn es nicht zum Zusammenbruch kommen soll.

Weil dem nicht so ist,  gelangen wir an den Punkt der Nichtanerkennung von Schulden und Geldvermögen. Das dauerhafte positive Feedback der Zinseszinsen muss und wird durch Gegenkräfte ausgeglichen werden. Die Nichtanerkennung der Schulden äußert sich uns in drei möglichen Szenarien (oder einem Mix aus ihnen): Bankrott (Insolvenz), Inflation oder räuberische Besteuerung. Allen dreien lastet noch etwas Weiteres an, weshalb die Wahl zwischen ihnen - und davor stehen wir heute - nichts anderes ist, als die des kleineren Übels: sie rufen alle Gewalt hervor.

Sowohl die Insolvenz als auch die Inflation wären Lösungen, die zu einem sofortigen mit großen Risiken behafteten Handeln der Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft führen müssten und mit der Übernahme großer Verantwortung einherginge. Deshalb greift die Politik zu der das eigentliche Problem vertagenden räuberischen Erpressung.

Die Belastung der Steuerzahler mit angeblich unausweichlich notwendigen Zahlungen an die Schuldner, die als erstes unter der Last zusammenbrechen zu drohen, ist eine solche räuberische Erpressung. Die Drohung "Wenn Ihr nicht zahlt, wird alles zusammenbrechen" kann nicht anders bewertet werden.  Man gaukelt uns vor, dass die Staatshilfen für die großen Banken und zahlungsunfähigen Staaten zurück fließen würden, wenn die jeweilig Begünstigten erst wieder auf die Beine gekommen sind. In Wahrheit besteht überhaupt keine Aussicht darauf.
Die Milliarden aus der EU und vom IWF  fließen direkt in den Kapitalmarkt. Während Deutschland bei den Hilfen von der EU größter Zahler ist, sind wir bei den IWF-Krediten einer von vielen (Anteil derzeit 5,88%).

Griechenland wird mit den Krediten seine Zinsen bezahlen und seine auslaufenden Staatsanleihen. Die genaue Zahl, wie viel Geld Griechenland braucht um drei Jahre lang nicht auf Kredite vom Kapitalmarkt angewiesen zu sein, steht noch nicht fest, soll sich aber auf mindestens 120 Milliarden Euro belaufen.

Update 2.5. 2010: 180 Milliarden braucht Griechenland in den kommenden 3 Jahren

Die Bürgerinnen und Bürger Griechenlands werden von den Hilfsmaßnahmen nicht einen Cent bekommen.
Griechenland wird mit dem bereit gestellten Geld ein Sparprogramm aufgezwungen, das die Bevölkerung niemals mittragen wird, denn es bedeutet eine dramatische Verschlechterung ihres Lebensumfeldes.
Und hinter dem Horizont, in dem malerisch die griechische Abendsonne im Meer versinkt, warten Portugal, Spanien und Italien auf ein ähnliches Schicksal. Spätestens, wenn die vermeintlich stärkeren Länder in der EU bis an ihre eigene Schmerzgrenze und der ihrer BürgerInnen gelangt sind, tritt die endgültige Nichtanerkennung der Schulden in Form der verbleibenden Szenarien in Gang.
Während das eigentlich zum Wesen des Kapitalismus gehörende Insolvenzrecht im Falle von Banken und Staaten im wahrsten Sinne des Wortes "ums Verrecken" nicht angewendet wird, wird die Nichtanerkennung durch Inflation das Spiel beenden müssen. Unruhen, Gewalt, Bürgerkrieg und unendliches Leid werden damit verbunden sein.

Gibt es einen Ausweg?
Ich behaupte noch gibt es ihn. Aber wir werden ihn schnell beschreiten müssen.
Wenn Politiker und alle an den derzeitigen Maßnahmen Beteiligte einmal offen die Wahrheit sagen würden, würde der Druck aus der Bevölkerung hin zu der letzten noch nutzbaren Chance wachsen.

Der Wahrheit die Ehre

Die Wahrheit ist: Mit allen bis jetzt geplanten Maßnahmen werden in erster Linie die Geldvermögen einer vergleichsweise sehr kleinen  Elite gerettet. Die weltweite Verteilung von Geldvermögen ist ein offenes Geheimnis. Rund 10% der Weltbevölkerung gehört 85% der gesamten Geldvermögen Dabei handelt sich um eine Entwicklung die rasant zu Gunsten der Reichsten weiter läuft. Diese Verhältnisse spiegeln sich, marginal abweichend, auch in einzelnen Ländern bis in die EU hinein wieder. In Deutschland halten die reichsten 10% der Bevölkerung rund 2/3 des Gesamtgeldvermögens.
Damit ist aber auch klar, wer die Profiteure der Rettungsmaßnahmen von EU und IWF zu rund 70% sein werden: die reichsten 10% der Welt. Sie sind die Gläubiger, direkt oder indirekt, die das Geld von den Steuerzahlern aus den Ländern der EU erhalten werden. Das bezieht sich nicht nur auf Griechenland. Mit jeder Bankenrettung (HRE, IKB, usw.) werden die Steuerzahler zur Erhaltung einer über alle Maßen ungerechten Vermögensverteilung herangezogen. Dabei haben die Geldanleger ihr Risiko in aller Regel selbst gewählt. Heute stellt es sich so dar, dass die Staaten eine kostenlose "Versicherung" für Geldanlagen von Superreichen eingerichtet haben, an die nie jemand eine Zahlung geleistet hat.

Eine Versicherung die im Schadenfall abgeschlossen wird und für einen bei Abschluss bereits eingetreten Schaden bezahlt. Der dabei von den Versicherten zu zahlende Beitrag ist gleich Null. Wo gibt es denn so etwas?

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Wann purzeln die Pfunde? Bild © 2010, Martin Bangemann

 

Worin besteht also unsere Chance?

Zunächst müssen wir im System bleiben und die Insolvenz als ein aktiv eingesetztes Mittel (PDF) klug anwenden. Die EU kann als Insolvenzverwalter eingesetzt werden und – wie das auch Wirtschaftsleben tagtäglich geschieht – alles daran setzen, Griechenland zu retten. Die Gläubiger werden – wie bei jeder Insolvenz – auf große Teile ihrer Ansprüche verzichten müssen. Um den schützenswerten „kleinen Sparer“ nicht in einen Topf mit den Superreichen dieser Welt zu werfen, kann im Rahmen des Insolvenzverfahrens eine soziale Komponente zum Tragen kommen, die vorsieht, dass Geldvermögen in Einzelfällen bis zu einer gewissen Höhe ganz gesichert werden. Im Falle Griechenlands wird es solche Fälle nur indirekt geben, weil kleine Anleger bei Banken angelegt haben, die wiederum als Halter der Staatsanleihen fungieren. Der durch die Insolvenz Griechenlands und eventuell anderer Länder zu erwartende Dominoeffekt in Bezug auf Banken sollte bedacht werden, darf uns aber am Beschreiten des Weges, den diese letzte Chance bietet nicht hindern. Er kommt früher oder später sowieso. Jene Banken, die von der Griechenland-Insolvenz betroffen wären, wackeln alle schon seit langem. Die Insolvenz der Banken bietet die gleichen Chancen zu politischem aktivem Handeln, wie die der Länder. In diesem Szenario kann die Politik die Vorgaben machen und die Finanzmarktakteure können nur reagieren. In jedem anderen Szenario wäre es umgekehrt und am Ende stünde der totale Zusammenbruch.

Fazit und Ausblick

Die Insolvenz von Ländern und Banken ist steuer- und gestaltbar. Der Kapitalmarkt im heutigen Zustand nicht. Nach einer Insolvenz werden Schulden und Geldvermögen auf ein der Realwirtschaft angemessenes Maß zurückgeschnitten worden sein.

Natürlich gehört zu dem dann folgenden Neustart auch ein neues Geldsystem. Geld, das sich durch Zins und Zinseszins abgekoppelt von der Leistungskraft der Wirtschaft entwickeln kann, darf es nicht mehr geben. Geld muss den Gesetzen der Entropie unterworfen werden, wie alles in der Natur Vorhandene. Die Lösungsansätze dafür gibt es. Kluge und weitsichtige Denker, wie Silvio Gesell oder in der heutigen Zeit Helmut Creutz haben entscheidende Vorarbeit dazu geleistet. Darauf aufbauend Zukunftslösungen zu entwickeln wird unsere letzte Chance sein, wenn wir den totalen Zusammenbruch vermeiden wollen.

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Griechenland-Sog: Experten warnen vor Portugal-Panik

HUMANE WIRTSCHAFT  ein Leserbeitrag von Rolf Dahmer aus Estoril, Portugal

Man wird "Strohhalme" loslassen müssen, die


man bisher für "Balken" gehalten hat und

dafür echte "Balken" ergreifen müssen, die

man bisher für "Strohhalme" gehalten hat.

Das ist der Abschied vom schönen Schein

zu dem uns die Ereignisse zwingen werden.“

Im Fall der sich exponentiell entwickelnden Euro-Krise um Griechenland,
Portugal, Spanien, Irland und Italien streiten sich jetzt die
linear-mechanistisch denkenden Experten: Helfen wir den in Not geratenen
Euro-Ländern, dann kriegen wir es mit dem Teufel zu tun. Helfen wir nicht,
dann haben wir Belzebub am Bein. Also alles falsch, was immer wir auch tun
und lassen – oder?

Prof. Hans-Werner Sinn sprach in seinem SPIEGEL-ONLINE-Interview vom
26.04.10 über das „fehlende Geschäftsmodell“ Griechenlands – das gleiche
gilt für Portugal. Wobei „fehlendes Geschäftsmodell“ eine wenig
differenzierte, profilierte und daher kaum wettbewerbsfähige Volkswirtschaft
bedeutet. Darauf und auf die dringende Notwendigkeit eines Strategiewechsels
weise ich die Portugiesen – auch Frau Merkel, seit Juli 2007 – seit ihrem
Eintritt in die EG und speziell nach dem Beitritt zum Euro immer wieder hin.
Auch darauf, dass sie einmal unter den Ersten sein würden, die über die
Klinge springen müssen, wenn sie nichts tun und die umgekippte EU dem Ende
der Fahnenstange näher kommt. Schiller, würde er heute leben, würde
möglicherweise in seinem berühmtem Zitat von den Göttern das Wort „Dummheit“
durch „Subventionen“ ersetzten und heraus käme dabei: „Gegen Subventionen
kämpfen Götter selbst vergebens“. Oder noch präziser: „Gegen den Rausch des
staatlich legitimierten und regulierten Systemraubbaus...“.

Aber angesichts der sich auftürmenden und linear nicht lösbaren Probleme
zeichnet sich ein Umdenken ab. Interessanterweise setzte sich am vergangenen
Sonntag Prof. Arnulf Baring als einziger der Gäste von Anne Will über die
punktuellen Details des Griechenlandproblems hinweg und machte –  sinngemäss
– die folgende Aussage: „Wir alle und nicht nur Griechenland marschieren
schon lange in die falsche Richtung, und falls nichts geschieht wird am Ende
auch die Bundesrepublik da landen, wo sich Griechenland heute befindet. Ich
habe bereits 1997 in meinem Buch darüber geschrieben“. Das war
ungeheuerlich, denn hier wurde doch tatsächlich die „Staatsreligion“ in
Frage gestellt, und zu anderen Zeiten wäre man dafür gekreuzigt worden.

Genau das ist es, was ich schon immer behauptet habe: Eine zunehmende Anzahl
von Euro-Ländern gerät in Schwierigkeiten, weil das Führungssystem (dt.-
franz. Achse + Benelux) in die falsche Richtung marschiert und die Lage
zunehmend untragbar wird. Wie der Herr, so's Gscherr!. Und in der Tat, den
Hauptanführern beginnt schon zu schwanen, dass es letztendlich ihnen selbst
an den Kragen gehen könnte, wenn Griechenland und andere pleite gehen.

Ob Sie allerdings die richtigen, immer immateriellen Ursachen sehen und
entsprechend wirksame und nachhaltige Maßnahmen treffen werden bleibt zu bezweifeln. Wahrscheinlicher ist, dass man
sich auf ein Reformmodell einigt, das es erlaubt sich für einige Zeit weiter
in die eigene Tasche zu lügen – bis am Ende auch Deutschland selbst auf dem
Zehnmeterbrett steht, wo es in ein Schwimmbad ohne Wasser springen muss, wo
unten die anderen Opfer schon liegen.

Ich wundere mich immer wieder: Alle Welt sieht derzeit tagtäglich wie solche
Krisen durch immateriell-psychische Faktoren – Vertrauensverlust der Rating
Agenturen und anderer – ausgelöst, wie im Handumdrehen riesige
Vermögenswerte vernichtet werden, aber keiner will diese zu ihrer Lösung
einsetzen; alles geschieht auf der materiell-monetären Ebene, wodurch der
Misserfolg und Fortgang des Niedergangs bereits vorprogrammiert sind.

Der Versuch vor dem Untergang einen „Strohhalm“ zu testen ist allemal der
Mühe wert, denn anders als der vollgesogene morsche Balken könnte er ja
tragen. Bald wird nicht viel mehr übrig bleiben.

Rolf Dahmer aus Estoril in Portugal

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Erst Griechenland, jetzt Portugal - EU wird zum Spielball der Spekulanten

GPS - Griechenland, Portugal, Spanien - Orientierungslos beim Länderdomino

 

Bilder der Flaggen: © 2010, Martin Bangemann

Die Schuldenkrise in Europa gerät außer Kontrolle.

Den Auftakt für die stärker werdenden Turbulenzen bilden stets die Ratings der namhaften Agenturen am internationalen Kapitalmarkt.

"Standard and Poors" hat heute gleich doppelt zugeschlagen. Erst wurden griechische Staatsanleihen auf Junk-Bond-Niveau (BB+) herabgestuft und dann die portugiesischen gleich um zwei Stufen von A+ auf A-

Das hatte zur Folge, dass die Kapitalmärkte heute verrückt spielen. 

Abgesehen davon, dass man sich fragt, woher die Ratingagenturen ihre Informationen beziehen (waren es nicht die gleichen Agenturen, die zu Beginn der jetzigen Krise beste Bewertungen für Schrottpapiere auswiesen?), müssten uns die aus diesen Herabstufungen entstehenden Folgen endgültig wachrütteln.

Wer sind wir eigentlich, dass wir uns von diesen Kaspern am Nasenring durch die Arena ziehen lassen?

Das Selbstbewusstsein der Spekulanten ist schon wieder groß. Sie machen die Vorgaben und die Politik wird zum Handeln gezwungen.

Die Deutsche Bank meldet heute das beste Quartalsergebnis aller Zeiten und erreichte vor allem durch ihre Investmentabteilungen eine Eigenkapitalrendite von 30%. Ackermann hat sein Ziel von 25% bei Weitem übertroffen.

Derweil werden Griechenland und Protugal durch die Herabstufung Zinsen für ihre Kredite abverlangt, die nur zur Folge haben können, dass sie innerhalb kürzester Zeit durch EU-Mittel gestützt werden oder die Zinszahlungen und Tilgungsversprechen einstellen müssen. Die Spekulanten wissen aufgrund der jüngsten Entscheidungen, dass von Seiten der Politik versucht wird Letzteres mit allen Mitteln zu verhindern. Zwar sind diese Entscheidungen nicht auf Dauer verlässlich, aber im Vergleich zu den schnellen Gewinnmöglichkeiten durch kurzfristige Spekulationen verhalten sich politische Entscheidungen hinsichtlich der Geschwindigkeit ihrer Umsetzung wie Hase und Schnecke mit Gleitproblemen.

Das Zeitfenster für kurzfristige Milliardengewinne mag kurz sein. Die Finanzmarktakteure haben es heute dennoch geöffnet. Am Markt selbst wird es Gewinner und Verlierer geben, aber die Verlierer mit den größten Verlusten sind unbeteiligt und hilflos: die Steuerzahler in den EU-Ländern.

Wie lang schauen wir diesem Treiben noch zu?

Das Heft jetzt in die Hand nehmen, hieße Europa muss "über Nacht" die Zahlungsunfähigkeit der betroffenen Länder erklären, Insolvenz anmelden und Gläubigerschutz erklären. Das hätte zur Folge, dass den Kapitalmarktakteuren in Bezug auf ihre "eingefrorenen" Forderungen die Hände gebunden wären, bis es zu einer Zuteilungsquote durch den Insolvenzverwalter gekommen ist.  Die Halter von Staatsanleihen, wer auch immer das sein mag (und zweifellos werden große Banken damit ebenfalls zu Insolvenzfällen), werden nach einer Bestandsaufnahme mit einem Bruchteil ihrer Forderungen zufrieden sein müssen.

Die Insolvenz gehört zum Instrumentenkasten des Kapitalismus (PDF), wie kaum ein anderes Mittel. Warum wird es nicht auch endlich im Großen angewendet?

Die Insolvenz böte die Chance, Schulden und Geldvermögen auf ein Maß zurechtzustutzen, wie es für die reale Wirtschaft ausreichend ist. 

Wir dürfen dabei auch keine Angst vor den Kettenreaktionen haben.

Erst recht dürfen wir uns nicht länger das Märchen vom "kleinen Sparer" auftischen lassen, mit dem bisher alle Maßnahmen zur Rettung der Milliardenvermögen gerechtfertigt wurden.  Die Rettung des kleinen Sparers kann politisch im Rahmen eines Insolvenzverfahrens mit kleinem Geld gelöst werden.  Niemand hindert uns daran, eine Insolvenz sozial ausgewogen zu gestalten. Wir, die Bürger, unser Staat werden die Insolvenz verwalten.

Wir müssen unsere Zukunft jetzt selbst in die Hände nehmen und uns nicht länger willfährig von den 25-Prozent-Rendite-Marionetten klein halten lassen.

Wenn wir jetzt nicht im Sinne der Bürger handeln, dann werden wir in einem nicht mehr steuerbaren Chaos enden.

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Wetten wirklich Spekulanten gegen Griechenland?

Auf die absurde Verteufelung der Credit Default Swaps hatte der Blick Log zuletzt Mitte März hingewiesen. Vergangenen Mittwoch setzte sich Luigi Zingales, Professor an der Universität Chicago, in der FTD für diese Finanzinstrumente ein und stellte vor allem die Signalfunktion der CDS-Preise heraus. Ein Anstieg signalisiert ein Absinken der Kreditwürdigkeit und damit eine schlechte Haushaltspolitik oder schlechtes Management. Deswegen, so Zingales, mögen Politiker und Manager dieses Instrument nicht. Zu Recht weist Zingales allerdings auch auf den weiterhin schlecht organisierten Markt für CDS hin:

“Natürlich ist der CDS-Markt nicht perfekt. Tatsächlich handelt es sich nicht einmal um einen organisierten Markt, sondern nur um einen informellen virtuellen Austausch. Die bestehenden Regeln sind nicht dazu geeignet, ihn transparent oder belastbar zu gestalten. Es bedarf daher neuer Regeln. Und es bedarf eines Systems von Besicherungen, damit nicht wieder der Staat einspringen muss, um jemanden zu retten. Aber eine Regulierung des CDS-Markts bedeutet nicht, ihn abzuschaffen. Das würde nur die Basis für die nächste Blase schaffen.”

Ich bleibe bei der Auffassung, dass Credit Default Swaps ein sinnvolles Instrument zur Absicherung gegen Kreditrisiken sind. Ich hoffe, dass auch der Bund die Kreditrisiken über Griechenland entsprechend über diesen Markt absichert und so das Risiko für uns Steuerzahler minimiert.

Eine andere Frage ist, wer eigentlich die Stillhalter der CDS-Positionen sind, also wer die Kredite versichert. Dahinter verbergen sich Banken, Versicherungen aber auch spekulativ orientierte Großanleger und Hedge-Fonds. Sie wissen (hoffentlich) ihr Risiko entsprechend zu managen und rufen nicht nach Staatshilfe, wenn sie beim Ausfall Griechenlands aus den Versicherungen in Anspruch genommen werden. Aber gerade weil die Länder der Eurozone zumindest Teile ihrer Kreditrisiken zum Schutz der Steuerzahler absichern sollten, benötigen sie auf der anderen Seite diese Marktteilnehmer, die bereit sind, diese Risiken zu tragen. Und dazu gehören halt auch Spekulanten. Es mutet daher schon paradox an, wenn ausgerechnet Frau Merkel internationale Regeln gegen Spekulation fordert. Sie erhöht damit die Risiken für die Steuerzahler.

"Allein die Menge macht das Gift."
Das Verhältnis des spekulativen Bereiches des Finanzmarktes zur Realwirtschaft hat sich im Laufe der Zeit derart verschoben, dass die Realwirtschaft, aber eben auch das Geschehen im Bereich der Staatsfinanzen, zu einem Spielball geworden ist.

Keynes hat es sehr anschaulich gesagt:

„Spekulationen richten keinen Schaden an, wenn sie nur Blasen auf einem ruhigen Strom von Unternehmertätigkeit sind. Die Lage ist aber ernst, wenn die Unternehmertätigkeit zur Blase auf einem Strudel von Spekulationen wird“

Die Lage ist sehr ernst. Die Kreditabsicherungen haben durch zusätzliche Luftprodukte Volumina erreicht, die weit über das eigentlich zu Sichernde hinausgehen. Damit drehen sich auch auch Kräfteverhältnisse. Das Geschehen am Kapitalmarkt bestimmt über die Entwicklung in Politik und Wirtschaft und nicht mehr umgekehrt.
Der Schwanz wedelt mit dem Hund.
Man konnte das zum Beispiel nach Ausbruch der Krise auch daran beobachten, dass am Warenterminmarkt verstärkt mit Lebensmitteln und Grundnahrungsmitteln spekuliert wurde und die Preise an den Rohstoffmärkten in die Höhe schossen, obwohl es keine erhöhte Nachfrage der Endverbraucher gab. Gewinne für einige Wenige auf Kosten aller.

Es gibt am Kapitalmarkt und seinen Funktionen in einer Situation wie heute nichts mehr schön zu reden. Die Geldvermögen, die sich systembedingt gebildet haben mussten zwangsläufig diesen Weg nehmen, weil sie in der Realwirtschaft keine Verwendung mehr fanden. Der Kapitalmarkt und seine abscheulichen Vorgänge müssen dadurch wieder auf eine Normalmaß zurückgestutzt werden, dass man das automatische Wachstum der Geldvermögen eindämmt und im Gleichgewicht hält. Das Maß aller Dinge ist die Realwirtschaft, Mensch und Natur.
Die Spekulation kann nur dadurch eingedämmt werden, dass man sie "trocken legt". Wenn Geldmenge, Geldvermögen und Schulden wieder in einem gesunden Verhältnis zur Leistung stehen, haben wir auch die Spekulation im Griff und es kann sich wieder ein gesunder Kapitalmarkt bilden.

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Fiasko in Griechenland - Staatsanleihen kollabieren

„Ich werde mich nie den Eseln zugesellen, die hinterher das Feld bespotten, auf dem sie Fiasko gemacht haben.“  Theodor Fontane 

 

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Was als politischer Erfolg gefeiert wurde, gerät schneller zur Farce als die ärgsten Kritiker es sich vorstellen konnten.

Griechische Staatsanleihen kollabieren am Kapitalmarkt nachdem bekannt wurde, dass die tatsächlichen Schulden Griechenlands und damit das Haushaltsdefizit noch höher sind, als bisher angenommen.

Die privaten Anleger fliehen in Massen aus den griechischen Staatsanleihen, was zu unbezahlbaren Zinsbelastungen für Griechenland führt.

Nachdem die gleichen Anleger die erst kürzlich die neu aufgelegten Staatsanleihen mehrfach überzeichnet haben, nunmehr aus den Anleihen fliehen, scheint sich die Datenlage verändert zu haben. Die Überzeichnung hing maßgeblich mit den angekündigten Rettungspaketen der Europäischen Union zusammen. Die Anleger gingen davon aus, dass griechische Staatsanleihen durch die Absicherung aus Brüssel quasi 100% sicher seien.

Jetzt spekuliert beispielsweise die Welt auf einen Kapitalschnitt wie seinerzeit in Argentinien:

 

"Investoren stellen sich darauf ein, dass Griechenland die ausgegebenen Anleihen nie mehr in voller Höhe zurückzahlen wird. Immer wahrscheinlicher wird ein Kapitalschnitt wie im Falle Argentiniens."

 

Damals verloren vor allem private Gläubiger Argentiniens 75% ihres Geldes.

Doch was bedeuten die Zusagen der EU für die Steuerzahler der Länder? Wir werfen dem schon verlorenen Geld noch Gutes hinterher. Die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands ist ein Fakt, der jetzt zu einer klar kommunizierten Insolvenzverwaltung führen muss, wobei der EU der Part der Insolvenzverwaltung zufällt. Es darf ab sofort kein Steuergeld mehr aus anderen Ländern in die griechische Staatskassen fließen. Eine Bestandsaufnahme muss her. Es ist unverantwortlich die Griechen der Spekulation am internationalen Kapitalmarkt auszusetzen, indem man finanzielle Unterstützung aus Steuergeldern der anderen EU-Länder zusagt. 

Was nützt es, den zu erwartenden Dominoeffekt hinsichtlich der weiteren ebenfalls auf der Kippe stehenden Länder wie Irland, Portugal oder Spanien, dadurch zu verzögern, dass man jetzt Mittel bereit stellt, die in jedem Land in der EU ebenfalls nur zu höheren Schulden und einer nicht mehr tragbaren Steuerlast für die Bürger wird?

Den Schulden Griechenlands stehen, wie überhaupt allen Schulden die Geldvermögen der Gläubiger gegenüber. Diese Geldvermögen befinden sich zum größten Teil in den Händen weniger superreicher Privatpersonen, oder Anlegerfonds, die von eben diesen Leuten das Kapital einsammelt. Die Schere der Vermögen klafft von Jahr zu Jahr weiter auseinander. Wir treiben auf den Punkt zu, an dem es keine andere (friedliche) Lösung, als die des Kapitalschnittes gibt, bei dem die Gläubiger zu enormen Einbußen verpflichtet werden. (PDF).

Dieser Kapitalschnitt kann sozial ausgewogen gestaltet werden. Die immensen Geldvermögen, die dem Kapitalmarkt seine uns alle erdrückende Macht verliehen haben, vertragen einen Schnitt, weil sie schon lange nicht mehr in einem gesunden Verhältnis zur realen Wirtschaft stehen. Die Geldvermögen und Schulden haben sich schleichend, (PDF) aber mit der Kraft der Exponentialfunktion, von den linear wachsenden Realwirtschaft entfernt. Die Griechenland-Krise wäre erst der Anfang, wenn wir an dieser Stelle nicht zum Ende mit Schrecken bereit sind.

Griechenland braucht uns jetzt mehr denn je. Doch nicht mit Geld, das zu nichts anderem benutzt wird, als es in den Rachen des Kapitalmarktes zu werfen. Über finanzielle Unterstützung lohnt es sich erst dann wieder zu reden, wenn die jetzige Situation bereingt und Griechenland aktive Hilfe bei der Wiederherstellung einer gesunden Wirtschaft braucht.

Diese Rosskur steht in allen Ländern der westlichen Welt bevor. Wenn alles einen guten Verlauf nehmen soll, kann am Ende nur ein Geldsystem stehen, das die Marktwirtschaft vom Kapitalismus endgültig befreit hat und Mensch und Natur in den Mittelpunkt allen Strebens stellt.

Die Welt könnte so schön, warum verhindern wir das mit einem von Menschen geschaffenen System?

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Sonnenuntergang im Fischerhafen von Oia (Santorini)

 

 

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